FacebookMySpaceTwitterDiggDeliciousStumbleuponGoogle BookmarksRedditNewsvineTechnoratiLinkedinMixx

Wohnen und Integration als regionale Herausforderung

Staatssekretär Kurz bei der Konferenz

 

Im Rahmen der Fachtagung „Wohnen und Integration“ am Montag und Dienstag dieser Woche an der Donau-Universität Krems präsentiert Staatssekretär Sebastian Kurz seine Pläne zur Integration. Das Staatssekretariat für Integration wird im Jahr 2012 insgesamt 37 Millionen Euro für die Durchführung von Integrationsprojekten aufwenden. Über 20 Projekte widmen sich der Förderung des Zusammenlebens in Regionen, Städten und Wohnanlagen. Dabei zeigt sich, dass gerade Fragen der Wohnsituation von Menschen mit Migrationshintergrund auch Ausdruck anderer integrationspolitischer Problemstellungen (z.B. berufliche Situation, Sprachkenntnisse) sind. Gerade auch durch eine Verbesserung bei Bildung und beruflicher Stellung von Migrantinnen und Migranten können bei der Wohnsituation nachhaltige Verbesserung bei der Integration erzielt werden. „Die Förderung des interkulturellen Austausches und des wertschätzenden Aufeinanderzugehens stellen einen wesentlichen Aspekt im Integrationsprozess dar“, betont Gudrun Biffl von der Donau-Universität Krems als Mitglied des Expertenrats des Bundesministeriums für Inneres. 

 

Welchen Herausforderungen sich Städte und Gemeinden für ein gelungenes interkulturelles Miteinander stellen müssen, wird bei der zweitägigen Fachtagung im Auftrag des Bundesministeriums für Inneres, unter dem Ehrenschutz des Staatssekretariats für Integration, in Krems diskutiert. Durch den Anstieg der Zahl der MigrantInnen in Österreich steigen die Anforderungen an ein sensibles Besiedlungsmanagement. Die Bevölkerung in den Ballungsräumen, wo 80 Prozent der MigrantInnen leben, wächst überdurchschnittlich: allein im Wiener Umland um 21 Prozent bis 2030, in peripheren Abwanderungsgebieten wie zum Beispiel der Obersteiermark, Ober- und Unter-Kärnten, sowie Osttirol und Teilen des nördlichen Waldvierteles schrumpft sie um 4 bis 5 Prozent. Insgesamt wird die Bevölkerung in Österreich von 8,3 Millionen Personen (2010) auf 9 Millionen (2030) zunehmen, die Zahl der Haushalte wird um 12,5 Prozent in diesem Zeitraum wachsen. „Der Druck auf die Gemeinden und gemeinnützigen Bauträger steigt. Der Handlungsbedarf in Richtung Verbesserung des sozialen und räumlichen Umfelds und gezieltes Besiedlungsmanagement wächst, um das friedliche Zusammenleben einer ethnisch-kulturell durchmischten Gesellschaft zu sichern“, betont Univ.-Prof. Dr. Gudrun Biffl von der Donau-Universität Krems bei der Tagung.

Dr. Margarete Czerny, Fachtagungsleiterin der Donau-Universität Krems stellt fest, dass es auch die Verantwortung der Wohnungspolitik ist, für eine erfolgreiche Wohn-Integration von MigrantInnen zu sorgen, Rahmenbedingungen für leistbare Wohnungen sicherzustellen und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Wohninfrastruktur und des Wohnumfeldes zu schaffen.

Die gemeinnützige Wohnungswirtschaft und die Gemeinden würden eine zentrale Rolle bei der Vergabe von Wohnraum für mittlere und besonders für niedrige Einkommensschichten und Menschen mit Migrationshintergrund spielen, betonten die ReferentInnen unisono in Krems. 17 Prozent, das sind rund 118.000 Haushalte mit Migrationshintergrund, wohnen in Wohnungen gemeinnütziger Bauvereinigungen. In den vergangenen Jahren ist diese BewohnerInnengruppe stark gewachsen, stellt Mag. Karl Wurm, Obmann des Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen fest.

Prof. Dr. Klaus Lugger von der gemeinnützigen Bauvereinigung Neue Heimat Tirol fordert, dass die „wohnungsvergebenden Stellen wie Gemeinden, Bauträger und Hausverwalter ein intelligentes, integrationsförderndes und konfliktminimierendes Besiedlungsmanagement beziehungsweise Wohnungszugangs¬management entwickeln sollen. Referent Mag. Andreas Oberhuber von der FGW-Forschungsgesellschaft für Wohnen Bauen und Planen sieht die Herausforderung für die Wohnungs- und Förderungspolitik vor allem in großstädtischen Ballungsräumen. Eine enge Kooperation zwischen Politik und österreichischer Wohnungswirtschaft sei Voraussetzung für eine Verhinderung von sozialer und kultureller Segregation und Integration im Wohnungswesen und Wohnumfeld, erklärt Oberhuber.

MinR Mag. Georg Schadt vom Bundeskanzleramt stellt bei der Tagung in Krems das neue „Österreichische Raumentwicklungskonzept 2011 (ÖREK 2011) vor, das sich erstmals mit den Herausforderungen einer zunehmend vielfältiger und ethnisch heterogener werdenden Bevölkerung in der Raumpolitik auseinandersetzt. Zuwanderung und Integration sollen künftig nicht mehr zufälligen Lern- und Anpassungsprozessen in der Gesellschaft überlassen werden, sondern vorausschauend politisch gestaltet werden.

Univ.-Prof. Jens Dangschat von der Technischen Universität Wien verweist darauf, dass eine ethnisch-kulturelle, soziale und Generationen übergreifende Durchmischung des Wohngebietes zwar hilfreich und dem Zusammenleben förderlich sei, dass das aber per se noch kein Ruhekissen sein müsse. Wichtig sei auch die Berücksichtigung von Werten, insbesondere die Förderung der Toleranz, die oft maßgeschneiderte Strategien notwendig mache, die auf lokale Bedürfnisse und Rahmenbedingungen eingehen. Zudem müssten laut Dangschat die sozialen Netzwerke der Personen berücksichtigt und genutzt werden, was eine Erweiterung der Spielräume für die Integration darstelle.

Zahlreiche Best Practice Beispiele wie etwa von den Städten Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck, Integrationsservice NÖ und Integrationshaus KIM, vom Verein Menschenrechte Österreich oder der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgesellschaft MIGRA in Wien und in anderen Bundesländer werden bei der Konferenz in Krems vorgestellt.